Baumpflege und Biodiversität

32. Baumpflegeseminar Badenweiler

März 2026

Dass der Initiator der lokalen Baumpflegeseminare, Ulrich Pfefferer, auch diesmal mit der Wahl der Themen und Referierenden erneut ins Schwarze getroffen hatte, zeigte sich schon im Vorfeld an der bislang höchsten Zahl an Teilnehmenden. Die Veranstaltung fand bewährt im Kur- und Festspielhaus Badenweiler statt und war – neben der Vermittlung des fachlichen „state of the art“ – erneut auch auf Top-Niveau, was die Verköstigung angeht.

Nach Begrüßung und Einführung referierte Prof. Dr. Steffen Rust von der HAWK Göttingen mit einem kleinen „Paukenschlag“ über die Frage: „Sagt die Form der Vergabelung etwas über deren Bruchsicherheit?“. Die an seinem Lehrstuhl zusammengetragene physikalischen und statistischen Fakten bezüglich der Bruchgefährlichkeit von V-Zwieseln gegenüber U-Zwieseln widerlegen zahlreiche Annahmen und „Mythen“ der etablierten Baumpflege. So ist unter anderen die selbst in Gerichtsurteilen bemühte Annahme, dass in 80% der Baumunfälle geborstene Druckzwiesel involviert seien, ohne jede mit Fakten verifizierbare Grundlage. Die anschließenden Rückfragen und Anmerkungen aus dem Publikum zeigten, dass Faktenlage und persönliche Einschätzungen sich hier „erst noch finden“ müssen.

Dr. Philipp Unterweger hielt ein Impulsreferat „Vom Baumkultur-Seminar in die Praxis: Wie aus einem Fachvortrag ein Biodiversitätskonzept wird“. Nach einem Studium der Biologie hat sich Unterweger als Biodiversitätsberater für Kommunen selbständig gemacht. Den Prozess, dass eine Kommune sich zusammen mit der Bevölkerung zu Förderung der Biodiversität bekennt und dies in die Praxis umsetzt, illustrierten anschließend die drei Co-Referenten Ralf Däubler, Klaus Strittmacher (Bad Säckingen) und Uwe Schweizer (Haslach im Kinzigtal) auf sehr lebendige und in ihren Höhen und Tiefen gut nachvollziehbare Weise.

Prof. Dr. Dirk Dujesiefken, Altmeister der wissenschaftlich fundierten Baumpflege, referierte über „Jungbaumpflege gemäß ZTV-Baumpflege (…)“ und nahm in seinem Vortrag zum Ausgang, dass es in Deutschland sowohl keine grundständige Ausbildung zum Baumpfleger gibt als auch speziell die Jungbaumpflege in Praxis und Literatur nicht oder nur vernachlässigt gewürdigt wird. Man pflanzt (im Siedlungsbereich) junge Bäume und denkt sich, dass man sich die ersten 10 Jahre nicht kümmern bräuchte. Doch es sind frühe, eher „minimalinvasive“, dafür aber sehr regelmäßige Pflegemaßnahmen unabdingbar, um z.B. harmonisch aufgeastete Allee-Bäume heranzuziehen oder eben auch Zwieselbildung zu vermeiden. Zahlreiche Bildbeispiele und selbst gefertigte Illustrationen komplettierten das Referat.

Dr. Clemens Heidger, öff. Sachverständiger für Garten- und Landschaftsbau, referierte abschließend über Wurzeleinwuchs bzw. besser Wurzellenkung mit vegetations- und bautechnischen Maßnahmen im Radwegebau. Anstatt mit allen Mitteln den Wurzeleinwuchs und damit die Hebung der Deckschichten eines Radweges (erfolglos) zu verhindern zu versuchen, stellte Heidger eine den Anforderungen des Straßenbaus genügende, seit Jahren fertiggestellte Pilotstrecke vor, die in ihrem „Unterbau“ eine belüftete Vegetationsschicht aufweist, in der sich Baumwurzeln frei entwickeln können, ohne den Oberbau zu beeinträchtigen.

Am Rande des Seminars war ausgiebig auch Gelegenheit, sich fachlich und privat zu den Themen auszutauschen und Kontakte zu pflegen.

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